April 27 2010

Ein Tag im Leben von Elise

Fuer manche Menschen scheint es nach wie vor unvorstellbar zu sein,
dass man als NICHT-arbeitende und kinderlose Expat-Frau keine Langeweile entwickelt.
Aber ich kann euch versichern, selbst nach 2,5 Jahren Aufenthalt hier in den USA,
habe ich bisher keinerlei Anflug von Langeweile verspüren können.

Ich geniesse die Ruhe, das Land, die Leute, unser Haus/Garten und freue mich,
dass ich meinen Hobbies nachgehen kann (Beading, Lesen, Yoga, Laufen, LineDance usw.).
Hinzu kommen natürlich noch die täglichen Must-Do’s (Dinge, die erledigt sein wollen/muessen).

Mir wurde oft gesagt: „Na ja, aber dafür braucht man doch nicht den ganzen Tag.“
Das mag schon sein, dennoch ist z. B. einkaufen gehen (in diesem Fall Lebensmittel)
nicht vergleichbar mit einem Einkauf beim Tengelmann oder Edeka in Deutschland,
die oftmals zu Fuss zu erreichen sind.

1. Sind in Deutschland die Entfernungen zum Supermarkt z. T. kürzer.

2. Es gibt in Deutschland Fusswege und Radwege, welche hier fast gar nicht vorhanden sind.
Wer sich hier auf’s Fahrrad schwingt hat evt. suizidale Gedanken,
denn die Wahrscheinlichkeit von einem Autofahrer übersehen zu werden ist relativ hoch.
Safety first…also bleibt nur das Auto.
Ausserdem habe ich hier noch nie jemanden mit bepackten Einkaufstüten
auf dem Fahrrad gesehen.
Wahrscheinlich würde diese Person von der Polizei angehalten werden,
um herauszubekommen, warum der/die Jenige mit dem Fahrrad einkaufen fährt.

3. Wer sehr angebotsorientiert einkauft oder bestimmte Produkte in
unterschiedlichen Geschäften kaufen kann / will, legt hier diverse Meilen
mit dem Auto zurück und braucht natürlich auch mehr Zeit.

Was soll ich noch lange erklären!
Ich gebe euch mal einen persönlichen Einblick. 🙂

06:15 am
Aufstehen
(Ja, da seid ihr sicher erstaunt.
Viele denken wahrscheinlich, ich liege bis 10 Uhr in der Koje. Nee, nee!)

06:20 am – 06:50 am
Frühstück m. Hubby (Ehemann)

07:00 am (~1-2 Std.)
Hubby ist auf dem Weg zur Arbeit und ich starte mit der Hausarbeit.
(Aufräumen, Wäsche, je nach Wochentag Bäder putzen, Staub saugen etc.)

09:00 am (mit Hin-/Rückfahrt ca. 1,5 Std.)
Laufen gehen, an diesem schönen See.
Je nach Wetterlage und Motivation kann das variieren, normalerweise aber 2x/Woche.

OGL I

OGL II OGL III

OGL IV OGL V

OGL VIII OGL VI

OGL IX OGL VII

Wenn ich nicht laufen gehe, schreibe ich vielleicht gerade einen Beitrag fuer euch. 😉

10:30 am -11:30 am
Duschen und sich fuer die Öffentlichkeit herrichten, dabei überlegen „Was koche ich heute?“

11:45 am (~1-2 Std., je nachdem was man braucht)
Einkaufen fahren, z. B. bei…

OGL X OGL XI

1:00 pm – 2:00 pm
Hunger… Lunch (Mittagessen) und relaxen. 🙂
Manchmal auch mit Hubby oder Freundin.

2:00 pm – 5:30 pm
Freizeit!
Z. B. Bügeln, Hobbies nachgehen, Freunde treffen, Telefonieren, Büroarbeit machen etc.

ab 5:30 pm
Hubby ist (meistens) zu Hause… Kaffee und Kloenschnack.

7:00 pm
Dinner kochen bzw. Yogaklasse, LineDance, Freunde treffen, Kino o.ae.

ab 8:00 pm
TV/DVD schauen oder  s. 7:00 pm

Sicher gibt es mal mehr oder weniger Freizeit bzw. Hausarbeit / Gartenarbeit zu erledigen.
Dennoch wird demnächst wieder die ehrenamtliche Arbeit
und meine Fernfortbildung hinzukommen, somit kann ich mich
über zu wenig Beschäftigung nicht beklagen.

Ich weiss, dass ich hier ein wahres Schlaraffenland-Leben habe, welches ich absolut geniesse.
In Deutschland hätte ich nie die Möglichkeit,
mir als berufstätige Frau ohne Kinder eine Auszeit zu gönnen.
Die „Auszeit“ kommt erst mit den Kindern und wie alle wissen,
(ja, auch wir kinderlosen Paare wissen es), ist das keine wirkliche Auszeit.

Man wechselt lediglich einen Arbeitsplatz mit 40 Std./Woche,
in einen „Home Office“-Job mit 24 Std. / 7 Tage Woche.
Hinzu kommt die Bezahlung in einer anderen Währung, nämlich in „Naturalien“.
Da gibt es angelutschte Kekse, gemalte Bilder oder aber
ein Kinderlaecheln, welches unserer Meinung nach unbezahlbar ist.
Erholungsurlaube vom „Arbeitgeber“ kann man auch nicht machen,
denn der/die reisen immer mit.
Dafür bekommen Muetter/Eltern als „Urlaubsgeld“ wunderschöne Erinnerungen
und vielleicht die erste, selbstgefundene Muschel vom Nachwuchs geschenkt.

Und nun frage ich euch:
Was würdet ihr an meiner Stelle tun?
Hat sich nicht jeder schon einmal gewünscht, sich eine Auszeit nehmen zu können,
um die Dinge zu tun, zu denen man wirklich Lust hat oder
die man schon immer mal machen wollte?

Und wenn ihr diese Frage mit „Ja“ beantwortet,
wuerdet ihr dann Langeweile haben?

Seht ihr… 😉

April 16 2010

Show me the money…

…ist ein bekanntes Zitat aus „Jerry Maguire“.

Diesen Satz hatte ich letzte Woche im Kopf, als ich bei glam clothing co. gewesen bin,
um meine ausrangierten Klamotten  zu verhökern.

Bereits in München hatte ich eine Second-Hand-„Tante“,
welche brauchbare, gewinnbringende Kleidungsstücke von mir behielt,
und mich nach erfolgreichem Verkauf mit 40% vom Verkaufspreis beteiligte.

Mein bester Deal damals war der Verkauf einer 10 Jahre alten Windjacke (Neupreis: 100 DM),
welche die Second-Hand-Tante fuer 50 Euro verkaufte.
Die Jacke sollte eigentlich an das Rote Kreuz gehen, gut das ich es nicht getan hatte. 🙂

Bei der glam clothing co.-„Tante“ läuft es etwas anders.
Es ist (leider) nur möglich die Kleidung, Schuhe, Schmuck etc.
jeweils am Montag zwischen 10 und 11 Uhr vorbeizubringen.
Was etwas unglücklich ist, da viele Frauen berufstätig sind
und nicht so einen entspannten Terminkalender haben wie ich. 😉

Jedenfalls musste ich meine zum Verkauf freigegebenen Klamotten
dort lassen, bekam einen Zettel und sollte in Laufe der Woche vorbei kommen,
um dann zu besprechen, was sie behalten möchte und wieviel sie mir zahlen würde.

Gesagt getan und so stand ich am Dienstag wieder auf der Matte,
mit dem Gedanken: „Show me the money.“

Ca. 20 Teile hatte ich abgegeben und 10 davon wollte sie behalten (u.a. eine Calvin Klein Jeans).
Ich hatte natürlich meine Preisvorstellungen gerade bzgl der Jeans,
welche anscheinend etwas utopisch von mir waren.
Die Second-Hand-„Tante“ bot mir fuer alle 10 Teile $39.50 an
oder $45 als Gutschein fuer ihr Geschäft.

Ok, da war er…der Boden der Tatsachen. Sehr…schmerzhaft!
Ich fragte kurz nach, wieviel ich fuer die Jeans bekommen wuerde…8 schlappe Dollar.
„Nee“, sagte ich gleich, „das geht nicht, das ist mir zu wenig.“
Sie stimmte mir gleich zu und meinte, dass sie es verstehen kann
und das ich bei eBay sicher mehr bekommen würde.
Also, wanderte die Jeans gleich von ihrem Körbchen wieder in meins.

Somit blieben noch $31.50 übrig bzw. $35 als Gutschein.
Ich sagte gleich: „Cash bitte!“
Trotzdem habe ich mich gefreut soviel loszuwerden.
Auch wenn ich nur $31.50 bekommen habe,
ist es immer noch besser als in die hohle Hand gemacht.

Den Rest verhökere ich mal anderweitig und wenn es keiner möchte,
geht es zu Goodwill (schafft Arbeitsplätze f. Menschen m. körperl./geistigen Behinderungen)
oder Miracle Hill (Hilfe f. Obdachlose) als Kleiderspende.

Auch wenn ich selbst kein Fan von Second-Hand-Klamotten bin,
so ist dieses Prinzip eine gute Möglichkeit seinen alten Kram schnell
loszuwerden und ein bisschen Cash dabei zu machen. 🙂

April 12 2010

Die US-Regierung zählt (auf) uns

Was seit 1987 bei uns in Deutschland nicht mehr stattgefunden hat,
wird in den USA tatsächlich noch alle 10 Jahre durchgeführt – die Volkszählung.
Hier heisst es USA Census 2010 und jeder US-Haushalt ist gesetzlich dazu verpflichtet,
den per Post zugesandten Fragebogen auszufüllen.

NBK1971 und ich sahen die Angelegenheit ehrlich gesagt nicht so eng
und so wanderte der erste Fragebogen mit der ganzen Werbung,
die per Post kommt im grossen „Postkasten“ namens Trash can.

Auch die Erinnerungskarte, dass wir einen Fragebogen erhalten haben
und diesen bitte ausfüllen mögen, wurde ebenfalls als Reklame behandelt. 😉

Bis zum 17. April 2010 sollen alle Fragebögen im US Census Buero eingegangen sein,
um diese auswerten zu können.
Der Census 2010 wird u.a. genutzt um die Bundesfoerderungsmittel richtig anzuwenden
und um die Anzahl der Sitze unseres Staates (SC) im Repräsentantenhaus
der Vereinigten Staaten festzulegen.

Die Daten werden ausschliesslich fuer diese Zwecke ausgewertet,
somit soll(t)en und muess(t)en auch illegale Einwanderer, Strafverfolgte etc.
das Formular ausfüllen ohne strafrechtliche Verfolgungen zu erwarten.

Leider hat unsere persönliche Ignoranz nicht geholfen. 😉
Am Samstag erhielten wir erneut Post vom US Census Buero mit dem Hinweis,
dass unser Fragebogen leider noch nicht eingetroffen sei.
Aus diesem Grund senden sie uns ein weiteres Formular,
mit der Bitte dieses umgehend auszufüllen und zurückzuschicken.

Jesus, Maria und Josef, da ist aber jemand sehr beharrlich.
Nun wollten wir unbedingt das 3-Affen-Schema durchziehen,
(nichts hören, sehen und sagen) und da laesst man uns nicht.

In dem Schreiben wurden wir noch freundlich darauf hingewiesen,
dass wir evt. Besuch eines Gemeindemitarbeiters erwarten können,
wenn die Daten von uns nicht rechtzeitig per Post im Census Buero eingegangen sind.
Wir sind dann verpflichtet, unsere Daten dem Mitarbeiter mitzuteilen,
welcher uns bei nicht antreffen auch gerne öfters aufsucht und eine Notiz hinterlässt.

Na ja, da haben wir nun auch keine Boecke drauf.
Uns reicht schon die ständige Reklame fuer Gartenpflege und Unkrautvernichtung.

Also, sehen wir es als „Spendenaktion“, ist ja schliesslich fuer einen sinnvollen Zweck.
Nur das wir dieses Mal nicht Geld spenden, wie wir es sonst gerne tun
fuer Pfadfinder, Krankenhaeuser, Obdachlosenheime, Kinderstationen etc.
Dieses Mal haben wir unsere Daten gespendet.
Gefragt wurde nach Verwandschaftsgrad d. im Haushalt lebenden Personen,
Rasse, Geschlecht, Name etc.
Kostprobe gefällig? Klickt auf den Link!
Census 2010

Junge, Junge, unser Aufenthalt ist auch historisch gesehen eine Bereicherung.
Erst durften wir eine Präsidentschaftswahl miterleben,
anschliessend die Amtsvereidigung des ersten afro-amerikanischen Präsidenten mitverfolgen
und jetzt werden wir offiziell archiviert als US-Bewohner im Census 2010.

Fehlt noch was?
Keine Ahnung, lassen wir uns überraschen. 🙂