Wir hatten erneuten Besuch Ende Mai von unserer Freundin Frau B.
Frau B. hatte ihre Heimreise von Neuseeland nach Deutschland über Amerika geplant
und wir standen auch auf ihrer Sightseeingliste. 🙂
Frau B. flog nach Atlanta und wählte als weiteres Transportmittel den Greyhound Bus.
Die Fahrzeit beträgt 3 Stunden.

Ich holte sie in Spartanburg am Busbahnhof ab und während ich dort wartete,
wurde ich von einem jungen Mann (Kevin, ca. 18 Jahre alt) angeschnackt.
Kevin wollte sich anscheinend seine und meine Wartezeit vertreiben und so fragte er mich
alles mögliche über Deutschland, wieviele Sprachen ich spreche, was ich für Musik höre
und was wir für Klamotten in Deutschland tragen.
Folgender Dialog wurde von uns geführt:

Kevin: „Ich möchte mal nach Paris reisen, wenn ich Geld verdiene.“
Ich: „Paris ist sehr schön, da bin ich in meiner Schulzeit einmal gewesen.“
Kevin: „Echt, cool.“
Ich: „Wo bist du denn schon hingereist?“
Kevin: „Oh, ich war in Carowinds, dem Freizeitpark in der Nähe von Charlotte, NC.
Kennst du den?“
Ich: „Ja, da war ich auch schon.“
Kevin: „Ich war auch schon am Table Rock. “
(Der Table Rock ist ca. 1,5 Std. Fahrzeit von uns entfernt.)
Ich: „Bist du auch schon in Florida gewesen?“
Kevin: „Nein, und du?“
Ich: „Ja, letztes Thanksgiving.“
Kevin: „Wo warst du denn da?“
Ich: „In Miami, Key West und Daytona Beach.“

So, Achtung und jetzt kommt´s!
Kevin: „Echt? Oh, Mann dann hast du ja schon die ganze Welt gesehen.“

Das hat er wirklich Ernst gemeint.
Ich mußte innerlich grinsen und habe ihm dann nicht mehr erzählt,
wo ich noch überall gewesen bin, sonst denkt der noch ich bin größenwahnsinnig.
Ich sagte ihm dann, wenn er nach der Schule einen Job hat,
dann könnte er auch die „Welt“ bereisen.

Frau B. kam dann mit dem Bus an und das erste was sie sagte:
„Hi, schön dich zu sehen, ich brauche eine Dusche. Der Bus war so dreckig.
Ich hatte einen Sitzplatz am Fenster und da ist doch so eine kleiner Vorsprung am Fenster,
ich glaube da hat jemand hingespuckt.“ 🙁

Frau B. wollte nach ein paar Tagen weiter nach Washington D.C.
und wählte als Transportmittel die Bahn (Amtrak).
Der Zug ging am Abend um 11:15 pm von unserem Bahnhof weg.
Wir wussten bis dato gar nicht, dass Greenville einen Bahnhof hat.
30 Minuten vorher sollte Frau B. vor Ort sein.
Wir haben dann Downtown etwas getrunken und sind von dort zum Bahnhof fahren.

Und dann begann der Wettlauf gegen die Zeit.

Wir wussten die genaue Anschrift des Bahnhofes,
aber wir konnten leider den Bahnhof nicht finden.
Es war stockdunkel und immer wieder tauchten seltsame Gestalten auf der Fahrbahn auf,
die wohl eine Übernachtunsmöglichkeit suchten.
Es war bereits 11:00 pm als wir an einer Tankstelle hielten und Frau B. jemanden fragte,
ob er wüsste wo der Bahnhof sei.
„Der ist gleich links und dann rechts und dann ist er da gleich.“
Aha, wir also los!
Komischerweise waren wir dann wieder auf der gleichen Straße,
die wir bereits vorher auf und ab gefahren sind.
Nichts zu finden!

Also, wieder anhalten, Frau B. springt aus dem Auto
und fragt zwei Männer, die da so ´rum liefen.
„Where is the (f…) train station?“
Das F-Wort hat sie nicht gesagt, aber wir haben es uns gedacht.
„Die ist hier, ihr steht direkt vor dem Gelände. Die Einfahrt zum Parkplatz ist gerade aus rechts.“

Und tatsächlich da sahen wir ein kleines Schild mit Amtrak darauf.
Der Amtrak-Mitarbeiter wartete schon auf Frau B. und die befragten Männer sagten:
„Hey, dein fehlender Passagier ist da.“

Wir sagten dem Mitarbeiter dann, dass der Bahnhof schon schwer zu finden sei.
Er erklärte uns, dass ein Nachbar in der Nähe öfters betrunken Auto fährt
und gelegentlich den Zaun des Amtrak-Geländes „mitnimmt“.
Das letzte Mal hätte er den Teil des Zaunes erwischt, wo das Amtrak-Schild hing.
Das Schild ist heruntergefallen, wurde entfernt und nicht ersetzt.
Ok, muss man ja nur wissen.

Der Zug kam fast pünktlich und er wirkte sehr beeindruckend,
da er gegen unsere Züge sehr groß und wuchtig erschien.
Frau B. berichtete uns, dass sie ihre Schlafkabine nicht teilen musste.
Der Zug allerdings langsamer als unserer Regional-Express sei, an jeder Mülltonne hielt
und vor jedem Bahnübergang 3x hupte. Wat´n Lärm!

Wer gerne Abenteuer möchte und viel Zeit hat, der kommt per Bus oder Zug zu uns.
Wir können euch dann gerne vom Bahnhof abholen, denn jetzt wissen wir ja wo er ist.