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Kinder bekommen ist (nicht) schwer

Kinder oder keine Kinder ist nicht die Frage.
Die Frage ist, geht es die Welt etwas an, ob wir Kinder haben wollen oder nicht? Oder, ob wir keine Kinder bekommen können? Warum müssen sich kinderlose Paare rechtfertigen? Warum können unsere Mitmenschen nicht damit umgehen, dass sich ein Paar gegen Kinder entscheidet? Warum müssen alle die es nichts angeht mit tollen Ratschlägen um sich werfen?

Es geht nicht darum, dass man mit dem Thema persönlich nicht klar kommt, es geht auch nicht darum, dass wir womöglich nur sensibel darauf reagieren. Es geht darum: Ist es etwas, was man mit jedem im Detail diskutieren möchte. Keiner würde einem Blinden ständig auf die Nase binden, wie schön der Sonnenuntergang ausschaut, oder? In unserer Gesellschaft ist es unsensibel dieses zu tun. Warum ist es aber nicht unsensibel kinderlose Paare ständig mit diesem Thema zu konfrontieren?

Wir haben diverse Strategien ausprobiert um eine ‘richtige’ Antwort auf diese Frage zu geben.

Vor 10 Jahren haben wir auf die Folgefrage, die immer kommt, wenn man die Frage nach Kindern verneint, geantwortet “Wir sind ja noch jung” oder “Wir üben noch”. Wir dachten damit sei das Thema erledigt. Unsere Umwelt hat uns anderes gelehrt. Man wird als Paar immer wieder konfrontiert und wenn es nicht innerhalb einer gesetzten Zeit passiert, muss ja was nicht in Ordnung sein. Wer auch immer die Zeit setzt, wann ein Paar ein Kind bekommen muss. Ungeschriebene Gesetze? Manchmal wurde es dann richtig übel, so genannte Freunde haben dann ganz tolle Sprüche auf Lager: “Na, nur ´ne Luftpumpe in der Hose” — den Reifegrad dieser Freunde muss man dann mal gänzlich überdenken.

Wir haben kein Problem über das Thema der Kinderlosigkeit offen zu reden. Also dachten wir, klar, dann machen wir das, wir erklären unsere Kinderlosigkeit. Eine weitere Lehre des Lebens. Viele kommen damit nicht klar, wenn man mitteilt, man könne keine Kinder bekommen. “Da kann man doch was machen”, “Habt ihr dies oder jenes schon ausprobiert”, “Ich habe von Bekannten gehört, die haben folgende Therapie…” oder “Macht doch mal Urlaub, wenn ihr entspannt seid, wird es schon klappen” — mein persönlicher Favorit. Diskussionen führten immer zu nichts. Keiner konnte oder wollte es verstehen und Gespräche in diese Richtung brachten unsere Gegenüber sehr oft in eine für sie unangenehme Situation.

Aktuell testen wir die Strategie: “Not your business”, soll heissen wir werden aufkommende Folgefragen nicht mehr beantworten. Höflich aber bestimmt werden wir unserem Gegenüber klar machen, dass das Thema durch ist. Mit der Antwort können unsere Mitmenschen ja eh nicht umgehen, warum sie also damit belasten. Mal sehen wie das läuft…

Nach wie vor ist es uns viel wichtiger unser Partnerschaft zu geniessen und wir fühlen uns sehr wohl als Paar. Ich vergleiche es immer mit dem besten Eisbecher, den es für Geld zu kaufen gibt und ein Kind wäre nur die Kirsche auf der Sahne. Was nutzt es ein Kind auf Teufel komm raus zu bekommen, wenn die Partnerschaft darunter leidet oder womöglich in die Brüche geht? Wie viele Paare sind heutzutage nur noch wegen der Kinder zusammen und unglücklich dabei? Wir haben gelernt mit unserer Kinderlosigkeit zu leben, warum können die “Anderen” es nicht akzeptieren? Niemand hat das Recht dieses zu ver- oder beurteilen.

Einen Klassiker habe ich noch, etwas was wir des öfteren von Eltern oder werdenden Eltern zu hören bekommen:”Ihr glaubt gar nicht wie

  • toll es ist, die Kindsbewegung im Mutterleib zu spüren
  • toll es ist, das Lachen deines Kindes zu sehen
  • ein Kind das Leben verändert
  • etc.

Was wird der Blinde denken, dem man erzählt “Ach, wenn Du das nur sehen könntest”.
Auf der anderen Seite bekommen wir aber auch solche Sprüche zu hören:

  • ihr seid ja so flexibel, ihr könnt Reisen und Ausgehen etc.
  • mit Kindern ist man ja so gebunden
  • Kinder machen ganz schön viel Arbeit
  • hast Du es gut, dass Du Arbeiten gehen kannst (adressiert an meine Frau)
  • etc.

Menschen scheinen auch zu vergessen. Es gibt Paare, die sich in einer ähnlichen Situation befanden wie wir. Der Unterschied ist nur, bei denen hat es glücklicherweise geklappt. Den Weg dahin, die Hoffnungen und Enttäuschungen scheinen sie aber vergessen zu haben. Was sie nicht vergessen sind die tollen Ratschläge. Man kann es mit einem Marathonläufer vergleichen, wenn er im Ziel ist, hat er alle Strapazen, das Training und die Entbehrungen vergessen und ist einfach nur glücklich. So auch diese Paare und es ist ihnen ja auch zu gönnen und wir freuen uns auch sehr darüber. Nur eines mögen wir einfach nicht mehr — noch mehr gut gemeinte Ratschläge: ”Wenn es bei uns geklappt hat, wird es bei euch auch ganz bestimmt klappen”.

Ein Spruch, denn sich meine Frau mal anhören musste während einer Diskussion unter Frauen über eine mögliche Schwangerschaft: ”Woher willst denn Du es wissen, Du weisst ja gar nicht wie es sich anfühlt, wenn man schwanger ist”. — klar kann man es nicht wissen, aber man muss auch nicht schwanger gewesen sein, um sich über Schwangerschaft zu unterhalten, oder? Es gibt genug Informationen, sei es durch Bücher, durch das Internet, lange Gespräche oder tolle Ratschläge, die wiederum immer gerne gegeben werden. Wer gerne Kinder hätte, aber keine bekommen kann, ist glaube ich sehr gut informiert über das Thema Schwangerschaft. Und wieso nimmt sich jemand das Recht uns so einen Spruch zu präsentieren und uns mit tollen Ratschlägen über unsere Kinderlosigkeit zu überhäufen?
Dreht man den obigen Satz um, könnten wir antworten: “Woher willst Du es denn wissen, Du weisst ja nicht wie es sich anfühlt (ungewollt) kinderlos zu sein, Du hast / bekommst ja schliesslich ein Kind”

Fazit:
Zum Glücklich sein braucht man nicht unbedingt Kinder. Sie können das I-Tüpfelchen einer Beziehung sein. Dennoch sollte sich jeder bei der Frage: ”Habt ihr Kinder?” oder “Wollt ihr Kinder?” darauf einstellen, dass vielleicht die Antwort kommt: ”Nein” oder “Wir können keine bekommen.”
Kinderlos bedeutet ja nur, dass man keine eigenen Kinder hat. Es bedeutet nicht, dass man keine Kinder um sich hat. Wir haben wundervolle Nichten, Patenkinder und deren Geschwister, die uns auf Trab halten.

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  1. Drulgosch

    Moin moin,

    das fällt doch alles unter eine einzige frage: Was ist in unserer Gesellschaft „NORMAL“?
    Es fällt den meisten Menschen halt schwer die Abweichungen aus den Statistiken zu akzeptieren. Dagegen wird es wohl keinen „Poltisch neutralen Musterweg“ geben. Aber warum wollen einige paare (OK, bei weiten nicht alle) überhaupt Kinder? Zu oft habe ich gesehen, das das Glück der Beziehung versucht wurde mit einem Kind zu retten -WAS kann dann das Kind dafür?
    Also ob ein paar Kinder bekommt ist letztendlich eine Entscheidung, die nur das paar treffen kann (Ob gewollt oder ungewollt) und meiner Meinung nach:“Wat geit dat die annern an!“
    Genau so werden wir zum Teil verurteilt, WEIL wir 3 Kinder haben – „Sozialhilfeempfänger und die haben kein anderes Hobby“ kann man dann in den Augen lesen. Um das gleich klarzustellen: Gevatter Staat unterstütz uns nicht, wir können uns den „Luxus“ leisten.
    Ich denke, manchmal muss man auch den freunden und bekannte mal vor den Koffer Sch***** damit Diskussionen dieser Art aufhören. Halt nach dem Motto:“ Wat geit di dat an.“ (s.o.)

  2. Drulgosch

    NACHTRAG: (Wenn man erst Nachdenkt….)
    -Zum Thema Statistik:
    Mir tun die Familien Leid, die die statistische Anzahl von Kindern haben: ca. 1,5 Kinder…. Wer WILL schon ein Halbes Kind haben.
    – Zum Thema vergleich mit einem Blinden:
    Den vergleich an sich finde ich recht passend. Aber ich würde die Fähigkeit Kinder zu bekommen nicht als Kriterium verwenden, um „gesunde“ Menschen zu klassifizieren.
    – Kinder zum Glücklich sein?!:
    Wer sich diese Frage stellt sollte sich wirklich überlegen, ob er /sie richtig davor ist. Diejenigen sollten dann KEINE KINDER in die Welt setzen!!!!

  3. crb

    Sehe ich ganz genauso, wobei es für mich ebenso keine Rolle spielt, ob man keine eigenen Kinder bekommen will oder kann. Das Ergebnis zählt. Und ich kann genausowenig das Unverständnis nachvollziehen, das einem entgegenschlägt, wenn man die Frage mit Nein beantwortet. Es ist eine persönliche Entscheidung und die sollte respektiert werden, so oder so. Außerdem kann ich nicht verstehen, warum die Frage, ob Kinder oder nicht immer mit diesem qualitativen Aspekt versehen wird. Aus meiner Sicht gibt es kein richtig oder falsch, kein gut oder schlecht, sondern eben nur hin oder her.
    Es beschleicht mich manchmal der Verdacht, die Menschen mit Kindern suchen in der meinigen Entscheidung für Kinder nur eine Bestätigung ihres eigenen Handelns und fühlen sich abgelehnt, wenn ich anders als sie entschieden habe. Das wäre, als wenn ich jemanden nicht für voll nehme, weil er sich für eine andere Handymarke entschieden hat als ich.
    Vielleicht ist es aber auch wirklich nur der Neid der Eltern, daß wir Zeit mit unseren Neffen, Nichten und Patenkindern verbringen können, wann immer wir wollen, aber dann auch wieder unsere Ruhe und (finanzielle) Freiheit genießen können, wann immer WIR wollen und nicht, wann unsere Kinder es uns gestatten.
    Klar ist, mit dem Verzicht auf Kinder (ob freiwillig oder nicht) geben wir etwas wunderschönes und sehr erfüllendes auf, was aber nicht heißt, daß unser Leben ohne Kinder nicht ebenso wunderschön und erfüllt sein kann. Es ist eben einfach anders und nicht besser oder schlechter. – Und das ist, glaube ich, was wichtig ist.

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