Eigentlich bin ich kein besonders grosser „Ärzte“-Fan,
aber ein ganz bestimmter Titel von ihnen hat es mir besonders angetan.
„Dinge von denen“ spricht mir manchmal aus der Seele…
[„Die Ärzte“ sind eine sehr bekannte Punkrock-Band…nur fuer den Fall,
das irgendjemand sie nicht kennt. 😉 ]

So musste ich auch an den Song denken,
als wir unsere Antelope Canyon-Tour machten.
Wir wurden zunächst in Gruppen und dann den jeweiligen Fahrern/Tourguides zugeteilt.
In unserer Gruppe befanden sich insgesamt 6 Deutsche
(ein junges Pärchen, zwei befreundete Männer, sowie NBK und ich)
die Übrigen waren aus Asien, UK und USA.

Noch bevor wir losfuhren, stürzte sich der Eine der beiden Männer,
nennen wir ihn einfach mal „nerviger Norman“, verbal auf das junge Paar.

Zunächst wurde allgemeiner Small Talk betrieben.
Die jeweiligen Wohnorte in Deutschland wurden ausgetauscht,
was man denn beruflich so macht und seit wann man in den USA ist,
um seinen Urlaub zu verbringen.
Soweit ja alles ganz normal.

Dann ging es etwas mehr ins Details.
Die jeweilige US-Reiseroute wurde preisgegeben,
welche Ziele man bereits auf seiner Tour besucht hatte und welche jetzt noch anstehen.
Das junge Paar hatte seine Reise in San Francisco gestartet
und hatte nun noch Las Vegas vor sich.
Las Vegas hatten sie noch nie gesehen und wollten dort ihre letzte Urlaubswoche verbringen,
während des Gesprächs hörten wir heraus, dass sie sich sehr darauf freuten.

Der „nervige Norman“ gehörte nun aber zu der Kategorie:
Kann ich…weiss ich…war ich schon!
Soll heissen, er lies keine Einzelheit aus, was man in Las Vegas machen
und was man sich sparen muss.
Hinzu kam, dass seine Anmerkungen und Erfahrungen stets sehr negativ gehalten wurden.

„Las Vegas ist ja so eine unechte Stadt…die Leute, die da leben sind doch alle realitätsfremd.
Wollt ihr da so lange bleiben um zu spielen? Da gewinnt man sowieso nicht.
Besonders viel zu bieten hat Las Vegas ja nicht.
Ich empfehle euch, nicht länger als 1-2 Tage dort zu bleiben.“

Das junge Paar wirkte etwas eingeschüchtert und sie taten mir wirklich leid.
Vegas ist eine tolle Stadt, besonders wenn man sie zum ersten Mal sieht.

Die gesamte Fahrt zum Canyon noelte der „nervige Norman“ über die Zustände in den USA:

„Diese Luftverpester, fahren überall mit dem Auto hin…
der Sprit ist im Verhältnis zu Deutschland nicht viel billiger,
da die Autos so viel Sprit verbrauchen…
die Hotelzimmerpreise sind eine Frechheit…was die hier frühstücken ist ja ekelhaft…bla, bla, bla.“

Irgendwann kam der nervige Norman dann zum Thema Ärzte und Untersuchungen in den USA.
Natürlich musste er vorher noch die Info loswerden, dass er beruflich oft in die USA muss.
Er erzählte folgende Anekdote:

„Ich musste hier in den Staaten ja auch schon mal zum Arzt.
Es ist ja einfach unverschämt, was die Ärzte hier verlangen.
Ich muss ja mehrfach im Jahr zum Ohrenarzt…
und ich hatte keine Zeit mehr in Deutschland zum Arzt zu gehen,
bevor ich hier rüber geflogen bin.
Wisst ihr, ich habe nämlich extrem viel Ohrenschmalz und wenn ich das Ohr nicht spülen lasse,
dann kann ich nichts mehr hören. Deshalb musste ich dann hier in den Staaten zum Arzt.
Wahnsinn, was da rauskam aus dem Ohr…“

KURZE PAUSE GEFÄLLIG?
Meinen Würgereiz musste ich in dem Moment auch unter Kontrolle halten.
Ok, weiter geht’s…

Nerviger Norman:
„Als ich bezahlen musste, wollte der doch tatsächlich fuer 5 Minuten Ohren spülen $250 haben.
Das ist doch wirklich eine Frechheit.
Ich habe dann die Schwester gefragt, ob der Preis ein Scherz sei.
Und sie meinte dann, dass es eine festgelegte Rate sei…der erste Besuch kostet $250
und jeder weitere Besuch dann nur noch $150.
Ich habe die gute Frau dann gefragt, was das fuer eine Logik sei
und sie sagte dann, dass ich mit dem Arzt sprechen muss,
wenn ich nicht mit dem Preis einverstanden bin.
Der Arzt hat mir dann einen Rabatt gegeben und ich habe dann nur noch $180 gezahlt.
So einen Stundenlohn hätte ich auch gerne…unglaublich sind die hier in den USA.“

Gott sei Dank mussten wir diesem Gespräch erst auf der Rückfahrt lauschen.
Das geplante Mittagessen hatten wir dann erst mal verschoben. 🙁
Anschliessend lies sich der nervige Norman vom Tour-Guide
mit dem Auto zum Hotel fahren (ca. 200m Fussweg).
Soviel dann zum Thema „die Amis muessen ja überall mit dem Auto hinfahren“.

Ich gebe zu, auch ich bin kein Fan des amerikanischen Gesundheitssystems,
dennoch sollte man nicht vergessen, dass man sich im Ausland befindet.

Andere Länder, andere Sitten.

Ich hatte oft das Bedürfnis, den nervigen Norman zu fragen,
warum er denn nach wie vor in den USA Urlaub macht.
So Sch… kann es hier dann wohl doch nicht sein, wie er behauptet.

Das sind die Momente, wo mir meine eigenen Landsleute peinlich sind.
Und Trinkgeld hat er dem Tour-Guide auch nicht gegeben…shame on you Norman!